• Désirée

Vorsorgen – die Zukunft der Unabhängigkeit

Wussten Sie, dass in der Schweiz, Rententechnisch jeder Zivilstand – ledig, geschieden, verwitwet besser ist als die Ehe! Nicht mehr heiraten ist jetzt aber auch nicht die Lösung, oder?



In der Schweiz bekommen Frauen im Durchschnitt mindestens einen Drittel weniger Rente als die Männer (was fast 20'000 Franken pro Jahr entspricht)1. Das ist einerseits durch die noch immer vorhandene berufliche Benachteiligung gegeben wie Lohn-, Hierarchie- und Branchendiskriminierung. Aber auch das konservative Rollenbild, welches noch immer stark in unserer Gesellschaft verankert ist, hemmt die Entwicklung stark. Hinzu kommen weitere fehlende politische und gesellschaftliche Veränderungen.


Wo stehen wir heute?

Frauen haben es in der Schweiz bereits weit gebracht – wir haben ein Stimmrecht (wenn auch spät), wir dürfen studieren, arbeiten, reisen etc. aber sobald das Thema Heirat und Kinder ins Spiel kommt – passiert es und wir fallen oft wieder in die klassischen Rollen unserer Vorfahren zurück. Für das Familienglück geben wir unsere Zukunft und Unabhängigkeit auf.


Ein paar Fakten:

  • Ab 35 öffnet sich die Rentenschere zwischen Mann und Frau

  • Nur 2 von 10 Männer arbeiten Teilzeit

  • Bei den Frauen sind es 6 von 10

  • Mütter verlieren bis zum Pensionsalter 25% ihrer Gesamtrente

  • Väter werden belohnt. Sie bekommen im Schnitt sogar 5% mehr Rente, im Vergleich zu kinderlosen Kollegen. (Vorausgesetzt, er arbeitet weiter und gleich viel wie vor der Vaterschaft.)

  • Frauen sind überproportional von Altersarmut betroffen.


Bei aller Liebe? Ist es wirklich notwendig, dass wir für das perfekte Familienglück so viel Opfer bringen müssen? Nein!

Die Weichen richtig stellen

Aber leider ist gerade jungen Frauen oft nicht bewusst, dass sie die Weichen spätestens bei der Familiengründung und dem oft damit verbundenen (Teil)Rückzug aus dem Arbeitsleben stellen müssen.


Es geht hier nicht darum was richtig und was falsch ist, oder wer profitiert und wer verliert.

Jede Familienkonstellation hat ihre Berechtigung und am Ende ist es die Entscheidung von jeder Familie, wie sie gerne leben möchte. Diesen Entscheid kann aber nur bewusst gefällt werden, wenn man alle Fakten und Konsequenzen kennt und diese offen bespricht.

Besonders jene Person, die weniger durch das staatliche System geschützt ist – also diejenige die nicht oder weniger berufstätig ist (also heutzutage meist noch die Frau).


Die Augen vor der Realität zu verschliessen, sich hinter der Gegenwart zu verstecken und zu hoffen, dass alles gut kommt, ist also nicht wirklich eine Lösung.

Frauen müssen Themen wie Kinder, Beruf, Geld und Vorsorge gegenüber dem Partner, Freund:innen und Arbeitgeber:innen ansprechen, um Alternativen und Lösungen zu finden, die es ermöglichen alles zu vereinen.


Der Vorsorge-Guide nach Lebensabschnitten

  • Junge Menschen, ledig, keine grosse finanzielle Verantwortung - Das Leben geniessen ist wichtig, aber denkt trotzdem ab und zu auch mal daran, wie eure weiteren Lebensabschnitte aussehen könnten und was für finanzielle Mittel ihr für diese benötigt. Zahlt ab dem 21. Lebensjahr jährlich in die AHV ein, damit keine Lücken entstehen und beginnt finanziell vorzusorgen mit sparen, anlegen, 3. Säule etc. Es braucht keine tausenden von Franken, sondern man kann auch mit wenig beginnen. Ganz gemäss dem Motto ‘jeder Rappen zählt’.

  • Mittleres alter, Familiengründung - In diesem Lebensabschnitt braucht ihr vermutlich etwas mehr Geld und vermutlich reduziert sich auch das Arbeitspensum von den einen oder anderen. Unterhaltet euch mit eurem Partner darüber, wie ihr eure Zukunft seht und wie die Person, entschädigt werden soll, die mehr Zeit in die Haushalt- & Kinderbetreuung steckt und vermutlich Ihre berufliche Tätigkeit stärker reduziert.

  • Me-time - Die Kinder sind langsam grösser und stehen schon bald auf ihren eigenen Füssen. Jetzt habt ihr wieder etwas mehr Zeit für euch – geniesst es, aber denkt auch in die Zukunft. Frauen leben bis zu 4 Jahre länger als die Männer (85 Jahre), euer Kapital muss also auch nach der Pensionierung noch eine Weile reichen. Sparen, anlegen und gut vorsorgen ist daher wichtig.

Denn unbezahlte Arbeit ist auch Arbeit und sollte in irgendeiner Form entschädigt werden.

Der Weg aus der Misere

Was also klar ist, ist dass es Frauen, die sich für Hochzeit und Kinder entscheiden, mit dem aktuellen System im Alter bedeutend schlechter geht als den Männern.

Wir können jetzt also entweder nicht mehr heiraten und keine Kinder mehr zeugen, warten, bis die Politik das regelt oder wir nehmen das Zepter selbst in die Hand. Denn jede Frau kann in ihrem eigenen Umfeld und in der Familie etwas bewirken, Traditionen durchbrechen, den Status-Quo hinterfragen sowie neue Alternativen offen diskutieren und ausprobieren.




Was es dafür braucht:

🦸‍♀️ Eine Portion Mut und Realitätssinn. Sich mit dieser Thematik auseinander zu setzten. Es ist sicher spannender sich über Ferien, Hobbies etc. Gedanken zu machen, als über Geld und Vorsorge, aber mal ehrlich Geld ist ein tolles Mittel zum Zweck, damit man/frau sich seine/ihre Wünsche und Ziele ermöglichen kann. Vorsorge bedeutet nichts anderes als mögliche Zukunftsszenarien zu kennen und auf diese vorbereitet zu sein – in allen Lebenslagen. Das führt übrigens auch zu einem ruhigen und sorglosen Schlaf.


💪 Die Zukunft in die Hand nehmen. Sich aktiv Gedanken darüber zu machen, wie ‘frau’ im Alter leben möchte, wie das Leben gestaltet sein soll und wie viel Geld dafür in etwa benötigt wird, sind wichtige Gedankengänge. Malt euch vielleicht ein Bild wie ihr euch mit 85ig seht 🙂.


📢 Fakten sprechen lassen. Dokumente sammeln und auf den Tisch damit. Es braucht nicht extrem viel Zeit sich einen Überblick über seine eigenen finanziellen Mittel und Vorsorge-Situation zu verschaffen und es ist auch nicht sooo kompliziert, wie ‘frau’ vielleicht denkt. Aber es ist extrem wichtig! Und umso jünger umso besser – weil dann hat man noch viele Möglichkeiten zu handeln. Wer mit diesem Schritt überfordert ist, keine Panik. Fragt eure Verwandten, Freunden, Arbeitskollegen oder kontaktiert entsprechende Institutionen & Experten.


💭 Traum und Realität gegenüberstellen. Ihr wisst jetzt also wie ihr gerne mit 85 leben möchtet und was eure momentane finanzielle Situation zulässt. On track? Perfekt, dann weiter so! Nicht ganz – gibt es da ein paar Lücken? Auch nicht so schlimm, denn auf dieser Erkenntnis könnt ihr jetzt aufbauen und weiter auf eure Ziele und Wünsche hinarbeiten.


Dranbleiben. Ihr müsst euch nicht konstant mit dem Thema Vorsorgen und Geld auseinandersetzen, aber versucht es trotzdem so 1x pro Jahr zu machen (zum Beispiel wenn ihr die Steuererklärung macht). Auch das führt zu einem ruhigen und tiefen Schlaf.


Vorsorgen ist also die Zukunft der Unabhängigkeit. Auch wenn ihr heiraten und Kinder bekommen möchtet. Denkt dran, ein Mann ist keine Garantie für eine Altersvorsorge. Wenn ihr also in jeder Lebenslage ein selbstbestimmtes Leben führen möchtet, dann kümmert euch um eure Vorsorge. Es ist wichtig für euch und alle Frauen, die zu euch aufblicken.


Also los Ladies!


gif



 

Sources:

https://www.hermoney.de/ihr-wissen/vorsorgen/altersvorsorge/gender-pension-gap/#gender

https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/gleichstellung-frau-mann/erwerbstaetigkeit/teilzeitarbeit.html

https://www.workzeitung.ch/2019/03/die-frauen-renten-luecke/

https://www.nzz.ch/finanzen/anlegen-vorsorgen/altersarmut-steigendes-risiko-fuer-heute-30-und-40-jaehrige-ld.1623716?reduced=true


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